Patagonien, das klingt nach Abenteuer, nach Freiheit und nach spektakulärer Natur. Eine Region, die schon immer irgendwie Fernweh in mir ausgelöst hat. Weite Landschaften, schneebedeckte Gipfel, türkisblaues Wasser, Kondore und Guanacos – so habe ich mir Patagonien vorgestellt. Ganz falsch ist das auch nicht, dennoch gab es einiges, was uns während unseres Patagonien Roadtrips überrascht hat. Vor allem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Patagonien rauer und größer ist, als Fotos es zeigen können. Von den unberechenbaren Winden über die endlosen Entfernungen bis hin zu den landschaftlich teils deutlichen Unterschieden zwischen Chile und Argentinien – hier sind 8 Dinge, die wir vor unserem Patagonien Roadtrip nicht wussten.

EIn Puch Camper beim Wildcampen in Patagonien, eine Frau schaut aus dem Fenster
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Der Wind in Patagonien ist extrem

Der Wind – der gehört genauso selbstverständlich zu Patagonien wie Guanacos. Aber die patagonischen Winde sind stärker und meist permanent da. Was in Europa bereits als Sturm gewertet werden würde, ist in Patagonien einfach ganz normaler Wind und oft Alltag. Zelt aufbauen, kochen oder die Drohne fliegen lassen? Das alles wird schnell zum Abenteuer. Ein Stellplatz mit Windschutz ist oft wertvoller als ein Stellplatz mit Aussicht. Nicht selten haben wir Overlander mit Dachzelt getroffen, die mehrere Nächte im Auto geschlafen haben, da im Dachzelt nicht an Schlaf zu denken war. Straßenschilder warnen vor den teils starken Winden und sie sollten nicht unterschätzt werden. Während unserer Zeit in Punta Arenas kippte ein Lastwagen aufgrund des extremen Windes während der Fahrt um.

Die Entfernungen in Patagonien sind riesig

Meine Vorstellung von Patagonien beschränkte sich auf Fotos, Reiseprospekte oder Dokumentationen, die meist Aufnahmen aus El Chaltén oder Torres del Paine enthielten. Patagonien ist viel mehr als das und erstreckt sich Hunderte Kilometer über den südamerikanischen Kontinent. Von der Ostküste Argentiniens bis zur Westküste Chiles. Vor allem der östliche Teil hatte mit meiner Vorstellung wenig zu tun. Flachland, patagonische Steppe, über die der Wind nur so pfeift. Was auf der Karte nah aussieht, bedeutet oft viele Stunden Fahrt durch leere, karge Landschaften mit nur sehr wenigen Siedlungen. 

4 Jahreszeiten an einem Tag

Vier Jahreszeiten an einem Tag sind keine Seltenheit – Sonne, Sturm, Regen, Schnee, alles ist möglich. Wir hatten im Januar, also mitten im patagonischen Sommer, Schneefall. Zwiebellook mit einer guten Shelljacke ist ein absolutes Muss. 

Internet ist Luxus, keine Selbstverständlichkeit 

Patagonien ist groß und einsam. Dementsprechend dünn ist auch die Internetabdeckung. Doch selbst in besiedelten Gebieten wie El Chaltén ist das mobile Internet nicht vorhanden oder so schlecht, dass man sich nicht darauf verlassen kann. Karten und wichtige Informationen solltest du also unbedingt offline speichern, das kann bei einem Roadtrip durch Patagonien Gold wert sein.

Wilde Campingplätze sind teils schwer zu finden

Patagonien ist einsam. Unsere Vorstellung war, dass wilde Campingplätze einfach zu finden sein werden, und das war eine Fehleinschätzung. Vor allem im nördlichen Teil sind oft riesige Flächen eingezäunt, an denen man stundenlang entlangfährt, ohne dass sich die Landschaft merklich ändert. Wer nicht im Straßengraben parken möchte, kann es schwer haben. Die Frage, was hier ein oder ausgezäunt ist, konnten wir bis heute nicht klären. Natürlich hatten wir auch wunderschöne wilde Stellplätze auf unserer Reise durch Patagonien, aber ein Selbstläufer ist es bei weitem nicht – ein Hinweis, den wir gerne vor unserer Patagonienreise gehabt hätten. 

Tankstellen sind selten und haben nicht immer Benzin 

Weite Strecken und einsame Landschaften bedeuten auch fehlende Infrastruktur. Vor allem offizielle Tankstellen wie YPF gibt es auf manchen Strecken nur wenige und teilweise ist die Strecke zu weit, um sie mit einer Tankfüllung zu schaffen. Oft kannst du kleine, private Tankstellen finden, allerdings ist hier der Preis deutlich höher (teilweise das Dreifache). Zudem kannst du dir nie ganz sicher sein, dass auch tatsächlich Benzin oder Diesel vorrätig ist. Auf einem Roadtrip durch Patagonien kann das eine ganz schöne Herausforderung sein. Daher solltest du immer genug Benzin oder Diesel dabei haben, um theoretisch bis zur nächsten großen Tankstelle fahren zu können. Besonders wenn du als Selbstfahrer in Patagonien unterwegs bist, ist das essentiell. Wenn du dann unterwegs aufstocken kannst, ist das ein Plus, aber verlass dich nicht darauf. 

Wellblechpisten statt asphaltierte Straßen

Schotter, Wellblechpisten und relativ große Steine auf der Fahrbahn – die Straßenzustände in Patagonien sind nicht immer die besten. Auf der argentinischen Seite können die Straßenzustände sehr schlecht sein, selbst auf der Ruta 40, einer von Argentiniens Hauptverkehrsstrecken. Reifen, Stoßdämpfer und vor allem die eigenen Nerven werden ganz schön auf die Probe gestellt. Wir waren mit einem guten Offroader unterwegs und kamen oft nur sehr sehr langsam voran. Wenn dann die Landschaft eher eintönig ist und sich kaum verändert, kann das ganz schön frustrierend sein. Was auf der Karte aussieht wie eine gute Abkürzung, kann zu einem holprigen Alptraum werden. Wir empfehlen dir daher unbedingt Straßenzustände auf iOverlander zu recherchieren oder am besten nach aktuellen Erfahrungen in beispielsweise WhatsApp-Gruppen zu fragen. 

Argentinien und Chile – zwei Seiten Patagoniens

Patagonien liegt sowohl in Argentinien als auch in Chile. Der weitaus größere Teil liegt jedoch in Argentinien. Getrennt werden die beiden Teile durch die Anden, die eine natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern bilden. Wer zwischen dem chilenischen und dem patagonischen Teil Patagoniens hin und her wechselt, dem wird schnell klar, dass die beiden Teile sehr unterschiedlich sind. Der chilenische Teil ist vor allem im Norden grüner und feuchter, denn der Regen fällt oft auf der westlichen Andenseite. Die Straßen (vor allem die Carretera Austral) schlängeln sich zwischen Bergen, Flüssen, Gletschern und Wäldern hindurch. Durch Argentinien führt oft die schnellere Route, doch durch Chile meist die landschaftlich reizvollere. 

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Ich bin Sarah. Geboren 1990 im Süden von Deutschland an der Grenze zur Schweiz. Nach dem Abi hat es mich ins Ausland gezogen für ein Jahr nach Lesotho. Zwischen Bachelor uns Master war ich dann in Südostasien reisen und habe meinen Master schlussendlich in Schweden gemacht. Nach einigen Jahren im Berufsleben, habe ich mich dann in ein Abenteuer gewagt und habe mit meinem Freund unseren Camper ausgebaut und nach Südamerika verschifft. Seither erkunden wir gemeinsam mit viel Abenteuerlust und Neugierde diesen wunderschönen Kontinent.

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